TTRÜMMERBLUMEN
Die Legung TRÜMMERBLUMEN ist ohne die Herkunft der Scherben nicht verständlich.

Und sie hat eine besondere Geschichte:

zerbomtes Berlin 1946
Meine TRÜMMERBLUMEN begannen
mit meinem mal-wieder-auf-den-Boden-gerichteten Blick bei einem Spaziergang in einem am südlichen Rand von Berlin gelegenen kleinen hügeligen Park mit Rodelbahn. In der Sonne blitzte das bunte Dekor einer Scherbe auf. Wo kam die her? Mit diesem Fund und dieser Frage begann die Entdeckung jener Trümmerscherben, die später zu TRÜMMERBLUMEN wurden.

Aber eigentlich begann das Ganze noch viel früher:
Meine Mutter - geschieden, drei kleine Kinder und zweimal total ausgebombt - ein Schicksal, wie Viele es nach dem zweiten Weltkrieg kannten, schlug mir eines Tages vor, ich war acht Jahre alt, gemeinsam zur Ruine des Miethauses zu gehen, in dem wir vor einiger Zeit in einer stattlichen 5-Zimmerwohnung in der Steglitzer Fregestrasse gewohnt hatten. Wir kletterten also in dieser Ruine auf den Schuttbergen herum. Plötzlich bückte sich meine Mutter, hielt eine weiße Scherbe mit blauem und goldenem Streifen empor und sagte so gar nicht bitter, sondern freudig erregt:
"Das ist von unserem Gäste-Service!!!"

Diese Haltung, das Nicht-klagen-über-Nichtänderbares, sondern die Kräfte nutzen für das Neue, möchte ich in meiner Arbeit würdigen. Wenn ich heute die gesammelten Trümmerscherben auslege, so tue ich das in diesem Sinne. Ich wandele Zerbrochenes zu heiteren Blumen, oder anders gesagt: Verlorenes in einen unbeirrten Neubeginn.

Und weil es so schön passt, noch ein Zitat von Anselm Kiefer:
"Scherben sind der Beginn einer Wiedergeburt."

Was sind eigentlich Trümmerberge?
Als Trümmerberg bezeichnet man einen Hügel, der nach dem Zweiten Weltkrieg in deutschen Großstädten aus den Trümmern der durch Bombenangriffe zerstörten Städte errichtet wurde. Die Berliner nannten sie MONT KLAMOTT, MONTE SCHERBELINO oder SCHERBELBERG. In Berlin befinden sich mehr als 20 Trümmerberge, deren größter mit einer Aufschüttung von ca. 60 m der Teufelsberg ist. Die Trümmerberge sind begrünt und wurden als Aussichtspunkte, Park- und Freizeitanlagen gestaltet. Häufig befinden sich an den Hängen Rodelbahnen.

Park Prenzlauer Berg
Ist es überhaupt noch erkennbar, dass die Berge aus Schutt bestehen? Ja, das ist es. Wer will, kann sie finden, die stillen Zeugen der Vergangenheit: Ab und zu blitzen die meist weißen Splitter zwischen Waldlaub und abgestorbenem Geäst auf. Regen, wühlende Wildschweine und scharrende Vögel bringen sie an die Oberfläche. Es ist wie eine Goldsuche. Die lohnenden Stellen erkennt mein inzwischen geschulter Blick an der Art des Schuttes.
Hebt man sie auf, diese nur selten zu findenden kleinen Trümmerberg-Scherben, und befreit sie von der Erde, entdeckt man oft Erstaunliches: farbige Blumen, Bilderfragmente, Dekors, Schriften, Herstellerzeichen und manchmal auch glitzerndes Gold oder Handgemaltes . . . Berichte von einstigem Wohl- oder bescheidenem Hausstand.
aus einstigem Haus- und Wohlstand
sprechend
gläsern
in brennenden Häusern geschmolzen
gesammelt, sortiert, aufbewahrt
der erste Versuch einer Legung - es wollen Blumen werden . . .
die erste öffentliche Legung in Woserin, Meck.Pom. 2009
die zweite öffentliche Legung im Kunstquartier Bethanien, Berlin, 2012
die dritte öffentliche Legung in der ehemaligen Abhörstation auf dem Teufelsberg, 2013
die vierte öffentliche Legung in der Galerie Ko, Berlin, 2015
Entscheidend und wichtig:
Die Scherben sind nicht fixiert. So kann jede Legung blumengleich anders 'erblühen', inspiriert von meinem Befinden, der Athmosphäre und dem Raum. Sie sind Wiedergeburten, Wandlungen, Erneuerungen und vertreten die Prinzipien Chance und Hoffnung.

"Trümmer sind wie die Blüte einer Pflanze der strahlende Höhepunkt eines unentwegten Metabolismus, der Anfang einer Wiedergeburt."
Anselm Kiefer

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